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Tagesgeldkonto



Was ist ein Tagesgeldkonto?

Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Konto, über dessen Guthaben der Kontoinhaber täglich verfügen kann. Kündigungsfristen gibt es im Gegensatz zum Sparbuch nicht. Die tägliche Verfügbarkeit, die Verzinsung, und der Wegfall von Kündigungsfristen sind die Vorteile eines solchen Kontos. Nachteilig könnte sich auswirken, dass zumindest theoretisch eine tägliche Änderung des Zinssatzes seitens der Bank möglich wäre. Die verdienten Zinsen vieler Tagesgeldanbieter werden in der Regel in Zeitabständen unter einem Jahr ausgezahlt, somit kann zusätzlich vom Zinseszinseffekt profitiert werden. Dies macht den Unterschied zwischen einer Tagesgeldanlage und eines Festgeldkontos aus, bei dem die Zinsen in der Regel erst zum Ende des Anlagezeitraums ausgeschüttet werden. Ein Tagesgeldkonto besitzt in der Regel keine Verrechnungsfunktion: Überweisungen auf Fremdkonten und Lastschriften sind somit nicht möglich.

Über das Guthaben auf einem Tagesgeldkonto kann täglich verfügt werden. Die tägliche Verfügbarkeit bezieht sich hierbei keineswegs auf die tatsächliche Verfügung über das Geld: Verfügt werden kann über das Guthaben in der Regel nur durch Überweisung auf ein vorher definiertes Referenzkonto (meist das Girokonto). Es entstehen daher zwangsweise Banklaufzeiten zwischen 1 bis 3 Tagen, bis das Guthaben auf dem Referenzkonto vorhanden ist. Erst dann kann zum Beispiel durch Barabhebung oder Überweisung auf ein Fremdkonto über das Guthaben verfügt werden. Vereinzelt sind auch Angebote von Instituten anzutreffen, die ein Tagesgeldkonto auch mit einer Bankkarte ausstatten: Mit dieser kann dann über das Guthaben an einem Geldautomaten verfügt werden. Eine Bezahl-Funktion ähnlich wie bei einer EC-Karte wird aber auch hier ausgeschlossen.

Eine kurze Geschichte des Tagesgelds

Tagesgeldkonten hatten bis in die 1990er Jahre in Deutschland keine große Bedeutung. Die meisten Deutschen besitzen nach wie vor ein Sparbuch. Die Verzinsung eines Tagesgeldkontos war niedrig, so dass es für Privatkunden keinen Anlass gab, vom bewährten Sparbuch auf ein Tagesgeldkonto zu wechseln. Den Vorteil der täglichen Verfügbarkeit eines Tagesgeldkontos haben wiederum nur Firmen geschätzt, denn diese waren bereit, für Liquidität einen niedrigeren Zinssatz als bei Festgeldanlagen in Kauf zu nehmen.

Einen regelrechten „Run“ auf Tagesgeldkonten gab es erst im Jahr 2000. Durch den Börsencrash war das Vertrauen der Privatkunden in Aktien zerstört. Das Streben nach Sicherheit führte viele Anleger wieder zum altbewährten Sparbuch. Die hohen Renditeaussichten, die viele Aktionäre im Auge hatten, hinterließen jedoch ihre Spuren: Mit mageren Sparbuchzinsen wollte sich niemand mehr so recht zufrieden geben. Banken in Deutschland begannen massiv Fonds zu bewerben. Sie hofften, die geschockten Aktionäre mit Fondsprodukten zurück zu gewinnen. Die Marketingabteilungen der Banken versuchten durch teure Werbekampagnen, Fonds als ein Produkt zu präsentieren, das von der Entwicklung der Aktien losgelöst sei. Doch diese Rechnung ging so nicht auf: Viele ehemalige Aktionäre hatten zu viel Geld verloren, als dass sie noch einmal ihr verbliebenes Guthaben in die Börse investieren wollten. Das Streben nach Sicherheit hatte von nun an bei Anlageentscheidungen die höchste Priorität.

Im Jahre 2000 wurde von der Banque D'Escompte Paris eine neue Bank gegründet. Mit Hauptsitz in Dublin (Irland) und einem Entwicklungs-Office in Frankfurt am Main entstand die erste reine . Diese ging mit einem einzigen Produkt, einem Tagesgeldkonto, an den Markt. Der Zinssatz war außergewöhnlich hoch: 6 % Zinsen p.a. lagen deutlich über dem Marktdurchschnitt. Massive Fernseh- und Radiowerbung führten dazu, dass der börsengeschockte Anleger sich dem Produkt Tagesgeldkonto öffnete. Mit einem Tagesgeldkonto kann eine Bank jedoch kein Geld verdienen: Wenn eine Bank 6 % Zinsen p.a. bietet, so muss sie auf der anderen Seite eine höhere Rendite mit anderen Produkten (in der Regel Kredite) erwirtschaften. First-e hatte vor, nach und nach andere Produkte einzuführen. Doch dazu kam es nicht. First-e wurde im Jahre 2001 aufgrund mangelnden Erfolges geschlossen.

Alle Kunden erhielten ihre Gelder zurück: Die Muttergesellschaft Banque D'Escompte Paris stand für die Einlagen gerade, die darüber hinaus von der französischen Einlagensicherung geschützt waren (70.000 EUR). Die Sicherheit von Tagesgeld hatte damit ihren ersten großen Test bestanden.

Unabhängig von dem Misserfolg von First-e gewann ein Bankprodukt an Popularität: Tagesgeldkonten sind seit dem Jahr 2000 das Zugpferd vieler Banken. Deutschlands größte Direktbank, die ING-DiBa, hat im Jahr 2005 nach eigenen Angaben pro Arbeitstag im Schnitt über 3000 Neukunden, hauptsächlich durch das beworbene Tagesgeldkonto, gewinnen können.

Die Geschäftspolitik der Banken unterscheidet sich dabei von der Idee von first-e bis heute nicht:

Beworben werden nicht mehr Fonds, sondern Tagesgeldkonten. Nach Eröffnung eines Tagesgeldkontos steht die Bank im direkten Kontakt zum Kunden. Diesem werden andere Bankprodukte, vor allem die nur noch schwer zu vermittelnden Fonds sowie Kredite, vorgestellt. Mittlerweile hat fast jede Bank in Deutschland Tagesgeldprodukte im Angebot. Viele Institute kombinieren den Sicherheitsaspekt eines Tagesgeldkontos mit den Vorzügen eines Fonds (Kombiprodukte): Der Anleger erhält einen außergewöhnlich hohen Zinssatz auf einem Tagesgeldkonto, wenn er auch eine gewisse Summe in einen Fonds investiert.

Ab Juli 2008 will auch das Bundesfinanzministerium der Bundesrepublik Deutschland vom Drang zum Tagesgeld profitieren. Über die bundeseigene Finanzagentur soll eine auf dem Interbanken-Zinsindex EONIA basierende sogenannte Tagesanleihe vermarktet werden, die als Wettbewerbsprodukt zu den Tagesgeldangeboten der Banken und Sparkassen einzuordnen ist.

Das Online-Depotkonto der DAB bank


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